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Kritik

Die Kritik war scharf, aber berechtigt. Zu wenig Content würde ich auf meinem Blog bereitstellen. Zu wenig Inhalt, kaum Plot. Ich will die Kritik nicht zurückweisen, ich nehme sie (und Sie) ernst. In der Folge der erste Abschnitt einer kleinen Novelle, die ich an einem nebligen Donnerstagvormittag anno 1825 verfasst habe. Sie beschreibt meine wundersame Reise ins mein eigenes Ich. Wer sorgfältig liest, kann einen vierhundertdreiundvierzighebigen Hexameter festmachen.

«Wie ich zu mir fand», 1/3
Just fröhne ich höchstem Sitzkomfort auf einer der neuen, noch kaum genutzten Parkbänke unseres örtlichen Spielplatzes. Als wäre mein Hintern auf Blumen gebettet, rosaroten Blumen, die dezent nach Sommer riechen. Mit einem unaufdringlichen Hauch Grapefruit. Oder ist es Limette? Auf jeden Fall Zitrusfrucht, da lege ich mich fest. Das Leben ist herrlich. Ich blicke mich um. Zur Linken teilt sich ein gut aufgelegtes, hinreissendes, im Alter leicht fortgeschrittenes Ehepaar, das sich seine erholsame Rente bestimmt verdient hat, ein sorfältig belegtes Stück Roggenbrot. Eine zartflach geschnittene Scheibe einer vitaminreichen, erfrischenden Gurke gibt sich ein lebensbejahendes Stelldichein mit einem Stück Käse eines bestimmt frohsinnigen Schafes, dessen Wolle für das reinste Weiss aller reinen Weisse stehen dürfte. «Gisela, das hast du wieder einmal fantastisch hingekriegt.» – «Nur das Besté für meinen Bestén». Der charmante französische Akzent ist kaum zu überhören. Aus Giselas Mund steigen kleine Luftblasen hervor. Ihre seifige Ausdrucksweise macht es möglich. Die kleinen zerplatzen bald, eine grosse fliegt über den ganzen numinosen Spielplatz. Es ist eine schöne Flugkurve, leicht gebogen, kaum Richtungswechsel. Die Seifenblase gleitet bis zum Springbrunnen. Es ist kein gewöhnlicher Sprinbgrunnen: Der Sockel aus reinem Alabaster, die Schale in purem Marmor. Das Wasserspiel bringt sanfte Harfenklänge hervor. In ihm vergnügt sich ein kleiner Delfin, kaum so gross wie eine samtweiche menschliche Haut. Er beginnt, mit der Seifenblase zu spielen. Es ist ein Lachen zu entnehmen. Ein schönes Lachen. Ein schönes Lachen eines schönen Delfins an einem schönen Sommertag. In der Seifenblase spiegelt sich plötzlich eine entzückende Szenerie wider: Kind auf der Schaukel, der Vater zeichnet für den Schwung verantwortlich. «Höher, Papa, höher», lacht das wohlerzogene Kind. «Alles klar», grinst der Vater, der ein oranges Poloshirt und weisse Stoffhosen trägt. An seinem Körper ist kaum ein Gramm Fett zu erkennen. Seine Oberarme sind bekömmlich muskulös. Eine Ader macht sich bemerkbar, die goldenes Blut transportiert. Der nächste Schwung ist ein wenig stark: Als die Schaukel am obersten Punkt ankommt, löst sich das Kind. Es schwebt gen Olymp. Es lacht noch immer, wie es so richtung Elysium pendelt. Es scheint ihm ein wenig schlecht zu werden. Das Kind erbricht. Wider Erwarten aber nicht flüssig, sondern gasförmig. Nicht nur mit dem Aggregatszustand, auch mit der Farbe kann das Erbrochene positiv überraschen: ein weiches Hellblau, nur minim heller als das Blau des Himmels. Die Moleküle schwirren noch ein wenig durch die Luft, bevor sie sich sammeln und plötzlich die grazile Form eines feingliedrigen Einhorns annehmen. Als das Einhorn zum Leben erwacht, erhebt sich auch die Anziehungskraft aus ihrem erbaulichen Schönheitsschlaf. Langsam, aber gewiss sehnsüchtig, gleitet das Einhorn, leicht wie eine Feder, auf den Spielplatz. Es galoppiert rhythmisch auf mich zu und deutet mir an, dass ich Platz nehmen dürfe. Ich reite auf dem Einhorn davon. Die in ihrem Alter noch immer attraktive Gisela, ihr geschniegelter Angebeteter, das gesunde Kind und sein anmutigender Vater stehen Spalier und blasen uns etwas Puderzucker richtung Po. Das Einhorn wiehert, ich lache. Wir reiten alsbald auf ein goldenes Tor zu. (Fortsetzung folgt)

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