Schubladisierung (ohne die unterste!)

Wenn eine Studie ergibt, dass die Schweizer freundlich sind, ist dann der gemeine Schweizer nett?

Wenn ich schon mal dabei bin – jetzt wird eifrig schubladisiert:

Die Legitimation für die bevorstehende Spanien-Schubladisierung hole ich mir mit dem Zitat meines Spanisch-Lehrers: «Die Griechen gehen bei Krise und korrupter Regierung wenigstens auf die Strasse. Wir Spanier zucken nur mit den Schultern.»

Während der Grieche nach einer Sekunde Krise oder einem asozialen Merkel-Wort sofort mit Kriegsbemalung und selbstgebastelten Schildern auf die Strasse geht und diverse kleine bis mittlere Feuer entfacht, sagt der Spanier: «Schade, aber okay, dann schnalle ich halt den Gürtel enger». Bis es kein Loch mehr gibt. «Schade, dann mache ich eines.» Bis seine Lochzange kaputt geht. «Schade, dann eben ohne Gurt».

Das deckt sich aber sowas von mit meinen (Nach 8 Präpositionsadverbialpronomenverven kommt nun endlich ein Substantiv – und dann gleich in pluralistischer Ausführung) Erfahrungen: Die Spanier sind einfach friedliche, gechillte, lockere, gemächliche, gutmütige, kontemplative, sachte, betuliche Menschen.

Im Starbucks geht die chocolate aliente con caramelo (c.c.c.c.) normalerweise so: heisse Schokolade, Sahneturm, flüssiges Caramel in Spiralform auf den Sahneturm. Doch wenn der Verkäufer (zur Erinnerung: friedlich, gemächlich, sachte und so) keinen Bock auf Aufwand hat, dann knallt er das Caramel in die leere Tasse und leert die heisse Schokolade drüber. Aber ich hätte gern das Caramel oben drauf: «Ach so, ja klar, hier». Nicht auf die Schokolade, sondern auf einen Sahneturm. «Ach ja, klar, Sahneturm. Hier». Und jetzt das Caramel. «Stimmt. Hier». Wobei, doch keinen Bock auf Sahne. «Dann nehme ich sie wieder weg.» Dafür will ich nordindische Paranusspaste drauf. «Haben wir nicht». Fragen Sie bitte Ihren Chef! «Moment, ich rufe ihn gleich an … haben wir wirklich nicht». Dann fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker. «Okay, einen Moment bitte». War nur ein Scherz, aber lesen Sie das nächste Mal die Packungsbeilage. «Geht klar.» Kann ich dann das Geld zurückhaben? «Natürlich».

Wenn der Supermarkt schon zu hat, kaufe ich meine Flasche Mineralwasser jeweils für 1,50 € in einem Restaurant. Fast jeden Abend. Bis der Verkäufer plötzlich 1,60 € verlangt. Ich habe bereits sauber abgezählte 1,50 € in der Hand und sage ihm, dass ich nicht mit einem Preisanstieg gerechnet hätte, selbstverständlich würde ich aber noch nach 10 Cent in meiner Hosentasche suchen. «Nein, kein Problem, passt schon». Einfach mal den Preis anheben. Und wenn man das nicht mitmacht, dann gibt es eben keinen Preisanstieg.

Ampel auf Rot, aber es ist gerade niemand auf dem Fussgängerstreifen? «Dann fahre ich eben weiter». Es kommt plötzlich ein Fussgänger. «Dann halte ich eben». Umgekehrt genauso: Ampel auf Grün («Dann kann ich ja fahren,»), aber ein Fussgänger rennt über die Strasse? «Dann halte ich eben».

In der Apotheke habe ich ein Ricola mit Bergminze (Die Bergminze nimmt sowohl auf der maslowschen Ernährungs- als auch auf der bewährten Nahrungspyramide den prominentesten Platz ein) bestellt. «Haben wir nicht». Doch habt ihr, bitte schaut mal nach. «Okay, Moment. Ach ja, haben wir.»

Meine Lieblingsanekdote, ungeschminkt und 100 % wahr, ist aber diese: In einer Bar werden auf drei Bildschirmen drei Fussballspiele gezeigt. (Einfache Mathematik. Eine Bar hat drei Bildschirme und es laufen drei Spiele. Wie viele Bildschirme werden bei Bildhagel aufgespannt?) Ich verweise auf den grössten und frage: «Hier Bayern, oder?» – «Klar, ich stelle grad ein.» Dann kommt ein Brite rein, nutzt eine kleine Aufmerksamkeit meiner aus und fragt die Barkeeperin: «Gibt’s ManU auf dem grossen?» – «Kann ich machen». Und plötzlich läuft ManU. Der Engländer schaut für einen Moment zu tief ins Glas, da stelle ich die Barkeeperin zur Rede: «Was läuft jetzt auf dem grossen?» Sie schnappt sich – ohne Scheiss – die Fernbedienung, zappt auf Bayern und sagt: «Hier? Hier läuft Bayern.» Kein Scheiss, echt so passiert. Ich habe Zeugen. Sie klopfen noch morgen bei Ihnen an die Tür und erzählen Ihnen von Gott. He he he.

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PS: Vielleicht kann man «Spanier» durch «Valencianer» ersetzen. Keinen Plan.
PS 2: Tippfehler sind wahrscheinlich. Bitte sammeln, aufbewahren und nach Ablaufdatum (siehe Blogdeckel) fortwerfen.

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4 Gedanken zu “Schubladisierung (ohne die unterste!)

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