Ins Taxi gekotzt!

Vor 10 Jahren durfte X als Azubi am Weihnachtsessen seines Betriebes teilnehmen. X freute sich sehr darauf, galt doch die Regel, dass alle Teilnehmenden am nächsten Tag freinehmen dürften. Nun, ein freier Tag reicht für einen Jugendlichen in der Blüte seines Lebens locker, um einige Promille abzubauen, also nahm sich X Grosses vor. Weisswein zur Vorspeise, Rotwein zum Hauptgang, Erdinger zum Dessert. Bier auf Wein, das lasse sein, egal, man lebt ja nur einmal. Wird schon schiefgehen. Um 1 Uhr waren nur noch wenige Mitarbeiter übrig, der harte Kern quasi. Der harte Kern plus der Azubi, der sich ihnen in tollkühner Manier anschloss. Zu fünft oder zu sechst degustierte man sich nun durch die Spirituosen-Karte. Um 3 Uhr nahm X mit zwei Kollegen das Taxi. «Wenn ich nun gleich einschlafe, muss ich wenigstens nicht kotzen», dachte sich X. Ging gut, bis einer der beiden anderen aussteigen musste. X erwachte. Für das, was nun passierte, wurde das Wort «Schwall» erfunden.

Fahrer: «Ins Taxi kotzen kostet 400 Franken, aber da es meine letzte Fahrt war, macht das 200 Franken.»
Kollege: «Das zahlt der Betrieb, keine Angst. Machen Sie eine Rechnung.»

Ein Jahr später, gleiche Zeit, gleicher Ort. X war mittlerweile kein pickliger Jugendlicher mehr, sondern ein durchtrainierter Vegetarier. Er bestellte also einen Salat mit Wasser, gefüllte Paprika mit Wasser, eine leichte Nachspeise und einen Tee. Bis um 1 Uhr ging es gut. Dann blieb wieder der harte Kern übrig. Der harte Kern und der Azubi. Man erinnerte sich in der kleinen Gruppe natürlich an den trinkfesten Azubi vom letzten Jahr (die Taxi-Geschichte blieb das Geheimnis von X und dem einen Kollegen), und so überredete man X, die 5 gerade stehen zu lassen. Bier, Wein und Schnäpse gaben sich erneut ein buntes Stelldichein. Hatte sich das Ganze vor einem Jahr noch über 7 Stunden verteilt, brach X nun innerhalb von 2 Stunden sämtliche Rekorde. Heimfahrt um 3 Uhr. Wieder die zwei Kollegen und X. Einer steigt nach 20 Minuten aus, die anderen beiden fahren noch 20 Minuten weiter. Plötzlich, noch ca. 10 Fahrminuten von Xs Zuhause entfernt, kommt ihm die Kotze wieder hoch. Oh nein, oh nein, oh nein. Überliefert ist folgender Dialog:

Azubi: «Ah, hier wohne ich. Genau hier.»
Kollege: «Wirklich? Ich dachte, in …»
Azubi: «… nein, genau hier! Aber so was von. Fahrer: Stop!»
Fahrer: «Ich kann hier nicht halten.»
Azubi: «Sie müssen. Ich wohne exakt hier. Springe schnell raus.»

Er wird langsamer, X öffnet die Tür, springt raus, Fahrer beschleunigt, X wartet, bis das Taxi ausser Sichtweite ist, kotzt dann ins Gebüsch, so richtig mit Schmackes, und macht sich dann auf den 30-minütigen Nachhauseweg. Kalt, lang, betrunken, aber egal, wenigstens kein Walk of Shame, es bleibt dieses Mal sein ganz eigenes Geheimnis. Bild von Silberchen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s