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Unterführungen, ein Phänomen!

IMG_20170819_201435_184.jpgIn Unterführungen spielt sich das wahre Leben ab: Den Ticketautomaten anvisierende Menschen zählen ihre Münzen und verschaffen sich so einen folgenreichen Überblick über ihre Liquidität, wobei sie nichts als die nackte Wahrheit erleben. Weekend Warriors, die werktags zu kurz kommen, prüfen hier ihren Mut, in dem sie, angestachelt von Ethanol und heller Beleuchtung, durch die hallenden Gänge johlen und so einen kurzen Augenblick ungetrübter Männlichkeit erfahren. Per Schienenverkehr angereiste Raucher laufen mit noch nicht entzündeter Zigarette an die frische Luft, wo sie sich endlich mal wieder unfrische Luft einverleiben können. Kurz vor dem Aufstieg in die Oberwelt ist hier den Augenblick gekommen, die Hose nochmals hochzuziehen, den knappen Rock doch noch provisorisch über den gesamten Arsch zu ziehen etc.pp., das ungeschriebene Gesetz des ersten Eindrucks befolgend, das demnächst am Treffpunkt in der Bahnhofshalle zur Geltung kommt.

Doch nicht für jeden ist die Unterführung der Tunnel ins Nachtleben, manch einer beendet selbiges in ihr, wobei das ja auch schon wieder pervers klingt. Apropos Sekrete, zurück zum Thema. Man spuckt ein letztes Mal auf den Boden, kotzt vielleicht noch hinter den Fahrplan oder zielt übriggebliebene Cheesburger-Papierchen anderthalb Meter neben den Mülleimer, ist doch egal, scheissegal, ab nach Hause, kacken und schlafen gehen.

Unterführungen bieten spektakuläre Kontraste, sie laden Spannung auf oder bauen Druck ab. Nur der gemeine Spiessbürger währt auch hier seinen Normaloschein und beugt sich wie gewohnt dem gesellschaftlichen Diktat der Mülltrennung, in dem er sein Sinalco vorsichtig auf den Pet-Turm legt. Lässig!

Trampeltier

Unter den Paarhufern gibt es die Widderkäuer (ernähren sich von männlichen Schafen), die Flusspferde (wässrige Rosse), die Schweineartigen (artige Säue) und die Schwielensohler. Wir kümmern uns heute um die Schwielensohler, weil das so geil klingt, zweieinverstanden?

Das Team der Schwielensohler besteht aus Altweltkamelen und aus Neuweltkamelen. Die Neuweltkamele sind schnell abgehandelt, sie bestehen aus langweiligen Lamas, drögen Vikunjas und öden Guanakos, allesamt maximal bessere Rehe, Rehe im Faserpelz quasi. Wir schauen uns ein doofes Bild an und lesen unten weiter.

Vicuña_Vigogne_Lago_Chungarà_4570m_Chile_Luca_Galuzzi_2006
Vikunjas sehen doof aus, aber das Foto von Luca Galuzzi ist schön (https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Lucag/gallery)

Richtig interessant wird es bei den Altweltkamelen: Wir kennen das Dromedar (1 Höcker) und das Kamel (2 Höcker), wobei das Kamel eigentlich nicht Kamel heisst, sondern Trampeltier. Zwei Dromedare haben zwei Höcker und bilden zusammen ein Trampeltier.

Trampeltiere sind hochgradig gefährdet, das heisst, dass sie bei hohen Temperaturen sterben. Deshalb lagert man sie am besten im Kühlschrank und gewährt ihnen nur in Polarnächten etwas Auslauf. Ja, das klingt hart, aber Ordnung muss sein.

Der Höcker dient der Fettspeicherung, weshalb ein Trampeltier bei genügendem Trampeln und durch strikte Pflanzenkost schon mal das Fett eines Höckers abspecken und so ein Dromedar werden kann. Das Dromedar ist ein fittes Trampeltier, das Trampeltier ein Dromedar in der Massephase (im Winter essen und trainieren, im Sommer präsentieren).

Trampeltiere haben ein etwas zotteliges Fell, wenn sie anständig frisiert werden, erreichen sie aber auf der Autobahn gerne 230 km/h, was ihnen nicht selten Bussen einbringt, was aber auch nicht nützt, da sie nur PkW-Führerscheine besitzen und keine Busse fahren können.

An dieser Stelle endet der Text etwas abrupt.